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Der Theokreis ist eine Eigeninitiative von Theologiestudierenden an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Schwerpunkte unserer Arbeit sind das Nachdenken über die Grundlagen der historisch-kritischen Bibelexegese und das Ringen um eine biblisch verantwortete Theologie. Ein weiterer Schwerpunkt des Theokreises ist das gemeinsame geistliche Leben, damit unser theologisches Denken und Schaffen stets in der Verbindung zu Jesus Christus geschehen kann.

 

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Unser Semesterprogramm für dieses Semester


Interview mit unseren beiden neuen Studienassistenten

Die Freude am Herrn ist eure Stärke! (Nehemia 8,10)

Friedemann Liebscher und Ephraim Rüger sind seit Februar bzw. März unsere neuen Studienassistenten. Im Interview erzählen sie von ihren Beweggründen und Plänen. Die Fragen stellten Martha Kühnert und Monik Schellenberg.

Hilft oder befähigt ein Bart zum Dasein als Studienassistent?
Ephraim: Ja, da stehen wir ganz in der Tradition der orthodoxen Patriarchen, die alle einen großen Bart hatten.
Habt ihr neben den orthodoxen Patriarchen weitere theologische Vorbilder?
Friedemann: Ich finde Bonhoeffer immer sehr inspirierend. Denn bei ihm merkt man, dass er Theologie – also wirkliches Nachdenken und Verstehen des Wortes – mit Nachfolge verbindet. Sie ist eben nicht nur Verstandesleistung, sondern betrifft den Menschen ganz.
Ephraim: Als guter Sachse sage ich natürlich Luther. Aber darüber hinaus auch Zinzendorf.
Was ist denn an ihnen so vorbildlich?
Ephraim: Bei Luther gefällt mir besonders die Bodenständigkeit. Weil er es schafft, die tieferen Weisheiten der Schrift auf eine einfache Ebene herunter zu brechen, die so auch für normale Gemeindemitglieder verständlich wird. Zinzendorf wiederum gelingt es, theologische Wahrheiten einerseits mit einer großen Herzensweite und andererseits einem großem Tiefgang zu vermitteln und so Menschen in Liebe zu Jesus zu rufen.
Wunderbar. Habt ihr euch im Studium mehr mit diesen Menschen befasst, oder wie sind sie für euch Vorbilder geworden?
Friedemann: Bei Bonhoeffer hatte ich schon im Zivildienst ein Aha-Erlebnis, als ich seine „Nachfolge“ gelesen habe. Dort beschreibt er einerseits die Gnade Gottes, die aber andererseits nicht bedeutet, dass wir machen können, was wir wollen und nennt das den Unterschied zwischen billiger und teurer Gnade. Außerdem habe ich im Studium viel von Bonhoeffer gelesen und einen Lektürekurs über dessen Christologie-Vorlesung besucht. So Theologie zu treiben, zu überlegen, nachzudenken und das zu verstehen hat mir Freude gemacht und neuen Schwung gegeben für mein Hauptstudium.
Ephraim: An Luther kommt man ja im Studium nicht vorbei und so habe ich gleich im ersten Semester eine Hausarbeit zu Luthers Rechtfertigungsverständnis geschrieben und mich auch später mit seinem Kirchen- und Sakramentsverständnis beschäftigt. Mit dem Pietismus und damit auch mit Zinzendorf habe ich mich dann in meiner Examensarbeit nochmal eingehender beschäftigt.
Vor dem Studium habt ihr beide Zivildienst gemacht. Hat euch das in eurer Entscheidung fürs Theologiestudium bestärkt?
Friedemann: Ich würde sagen ja. Ich habe mich und Gott während meines Zivildienstes im Julius-Schniewind-Haus (Anm.: Schönebeck bei Magdeburg) gefragt, ob es richtig ist zu studieren. Dort habe ich auch die Bestätigung dafür bekommen. Das kam zum einen dadurch, dass ich selbst die innere Überzeugung bekommen hatte, dass das Studium richtig ist. Und zum anderen haben mir das dort Leute geraten, die sich das Studium für mich vorstellen konnten. Außerdem bin ich im Schniewindhaus noch mal geistlich gereift, denn dort geht man normal arbeiten und hat trotzdem geistliche Gemeinschaft und Andachten. Eben das klassisch klösterliche ora et labora.
Ephraim, wie war das bei dir, du warst ja in der Familienkommunität Siloah bei Gotha in Thüringen. Was ist da das Besondere gewesen und inwiefern hat dich das geprägt?
Ephraim: Also ich habe die Entscheidung fürs Theologiestudium erst am Ende meines Zivildienstes gefällt. Ich hatte erst überlegt, Lehramt zu studieren. Aber im Zivildienst habe ich dadurch, dass ich dort Andachten gehalten habe, gemerkt, dass ich auch gerne in einen Verkündigungsdienst gehen würde. Außerdem hat mich in Siloah die enge Verbindung von Arbeit und geistlichem Leben sehr angesprochen, also dass du normal arbeitest und trotzdem geistliches Programm hast. Und das ist eigentlich etwas, was ich auch später als Pfarrer miteinander verbinden möchte.
Ihr habt ja beide nach der Zwischenprüfung ein Urlaubssemester eingelegt, um dem Theokreis zu dienen und Verbindungen zu den Gemeinden zu knüpfen. Fandet ihr das damals schon so gut, dass es jetzt einfach noch fortgesetzt werden muss?
Ephraim: Ja, die Arbeit des Theokreises ist mir sehr ans Herz gewachsen und hat mein Studium ganz positiv geprägt und begleitet. Und die Erfahrungen im Urlaubssemester haben mir große Freude bereitet; vor allem eben in Sachsen herumzureisen, Gemeinden zu besuchen, dort Kontakte zu knüpfen und zu predigen, war einfach etwas, was mir großen Spaß gemacht hat. Das soll ja auch ein Schwerpunkt meiner Stelle werden. Außerdem ist es für mich ideal, so die Zeit zwischen Studium und Vikariat sinnvoll mit etwas zu füllen, woran ich Freude habe und was einen tieferen Wert hat.
Friedemann: Theokreisarbeit lebt ja genauso wie die Gemeinden davon, dass Menschen das, was sie empfangen haben, weitergeben. Es sind doch keine Einbahnstraßen-Veranstaltungen, wo einige Leute nur geben und andere nur empfangen. Ich möchte das, was ich empfangen habe – und ich muss sagen, im Theokreis habe ich sehr viel während meines Studiums empfangen– versuchen, weiterzugeben. Als Leitungsteam-Mitarbeiter und im Urlaubssemester habe ich das schon gemacht und jetzt darf ich das sogar als Arbeitsstelle machen. Schön!
Findest du, dass eben das der Kernpunkt der Theokreisarbeit ist, theologisch zu arbeiten und den Leuten in ihrer Theologie weiterzuhelfen?
Friedemann: Es sind drei Punkte, die mir selber im Theokreis wichtig geworden sind und die ich auch so über meine Zeit als Studienassistent als Überschrift hinstellen würde:
Erstens das Durchdenken von theologischen Fragestellungen, die wir an der Uni hören und in unseren Seminaren mitbekommen und dazu eine eigene Position finden.
Zweitens diese Verstandesebene mit echter geistlichen Gemeinschaft unter Brüdern und Schwestern verbinden, sodass es Hand und Fuß hat – weil Theologie nicht nur Kopfsache ist, sondern auch mein Herz betrifft und Jesus uns auch nicht alleine gelassen, sondern in eine Gemeinschaft gestellt hat.
Und drittens das Gebet. Sowohl in großen Gruppen wie dem Gebetsfrühstück als auch in unserer Dreierschaft mit Valentin Bilz zusammen. Damit das, was wir reden und denken, durchbetet wird.
Was ist dir noch wichtig, Ephraim?
Ephraim: Friedel, du hast schon vieles gesagt. Mir ist im Theokreis auch die Gemeinschaft und der Austausch untereinander besonders wichtig geworden. Dabei waren für mich vor allem die Gespräche nebenher bereichernd, also nach dem Gebetsfrühstück oder dem Referentenabend, und weniger das eigentliche theologische Kernprogramm. Eben der zwanglose Austausch mit den älteren Semestern, wodurch ich von deren Erfahrung zu profitiert habe oder mich an ihnen abarbeiten konnte. Und das Praxissemester, das wir hatten – Praxis eben, die wir an bestimmten Stellen mehr hatten, als sonst im Studium üblich.
Und was macht ihr in eurer Freizeit, wenn ihr nicht Theologie treibt?
Friedemann: Bei mir ist das beides nicht so einfach zu trennen, weil Theologie für mich mehr als ein Studium oder Berufswunsch ist. Auch nach dem Examen ist mir diese Trennung schwergefallen. Ich hatte mir vorgenommen, im Januar keine theologischen Bücher zu lesen. Das fand ich schwierig, weil ich gar nicht richtig wusste, was ich jetzt machen soll. Aber wenn ich mich nicht mit Theologie beschäftige, mache ich gerne was mit meiner Frau, gehe Bouldern, also Klettern, spiele ab und zu Computer oder surf im Internet.
Ephraim, hast du auch so viel theologisch nebenher gemacht?
Ephraim: Für mich war es etwas einfacher, Theologie vom Rest meines Lebens zu trennen und ich hab dann doch nicht so viele theologische Bücher wie der Friedemann gelesen. In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meiner Verlobten und gehe ansonsten viel Angeln. Außerdem folgt meine Freizeit in gewisser Weise dem Rhythmus des 5-Zylinder-Bezinmotors meines VW-Busses. Also ich fahre gerne mal ein Wochenende weg, um mir irgendwas angucken oder wandern gehen. Ansonsten habe ich Spaß am Fußball oder einem gemütlichen Bier abends.
Ihr wart ja in der letzten Zeit nicht mehr im Leitungsteam. Denkt ihr, dass ihr trotzdem ungefähr wisst, was passiert ist oder sich verändert hat? Was gedenkt ihr zukünftig zu tun, um das voranzubringen und an was wollt ihr da besonders anknüpfen?
Friedemann: Ja, in den letzten Semestern habe ich es nicht so oft geschafft, zu den Referentenabenden zu kommen, weil das Examen viel Zeit gefordert hat. Trotzdem würde ich sagen, dass der Kontakt nicht abgebrochen ist und ich nicht wüsste, was läuft.
Als wir im Theokreis aufgehört haben, war der Gedanke „Wie geht’s jetzt mit dem Leitungsteam weiter?“ natürlich irgendwie da. Zu der Zeit war auch die Hierarchie etwas schwammig, weil die Älteren aufgehört hatten und nur noch Jüngere da waren. Aber ich habe gemerkt, dass meine Sorgen sinnlos waren, weil die Leute das echt gut gemacht haben, sogar besser, als ich es mir hätte vorstellen können. Es ist eben im Theokreis immer so, dass Leute gehen und dafür neue dazustoßen. Aber Gott beruft immer wieder Menschen in diese Arbeit. Auch wenn Cornelius jetzt weggeht, bricht die Arbeit nicht ab. Denn unser Anliegen, Studenten im Theologiestudium zu begleiten, besteht ja weiter. Meinen Arbeitsschwerpunkt sehe ich darin, Lust darauf zu machen, wirklich Theologie zu studieren und nicht nur in Abwehrhaltung zu sein.
Ephraim: Ich hatte ja auch trotz meines Ausscheidens noch Kontakt zum Leitungsteam und war bis zu meinen Examensprüfungen beim Gebetsfrühstück. Und wenn ich mir das Leitungsteam so angucke, macht mir das Freude. Es sind überhaupt Leute da und die sind motiviert, die wollen was nach vorne bringen. Und das Leitungsteam hat mittlerweile einen Blick, der über das theologische Kernanliegen hinausgeht, wie zum Beispiel die Idee der Gestaltung des Wohnzimmers
Als Vision würde ich als erstes sagen, das theologische Anliegen des Theokreises und unserer Vorgänger weiterzutragen, weil der Theokreis ja daher seine Daseinsberechtigung hat. Also wenn wir nicht im Kern theologische Arbeit betreiben, können wir uns ohne Groll und mit gutem Gewissen auflösen.
Das Zweite, was mir am Herzen liegt, ist die Arbeit mit den Reli-Lehrämtlern. Das war, solange ich dabei bin, immer ein Anliegen im Theokreis. Daher freut es mich wirklich, dass letztes Semester mit der Lehramts-TKKG etwas losgegangen ist. Die Lehrämtler haben eben, nach allem, was ich weiß, durch die große Menge an Studienstoff manchmal nicht die Zeit, sich mit einigen theologischen Sachen näher zu beschäftigen. Dort will ich sie gerne unterstützen, soweit ich das als Nicht-Lehrämtler überhaupt kann.
Und das Dritte ist die Verknüpfung des Theokreises in die Gemeinden hinein. Das war mir immer ein Anliegen, weil der Theokreis nicht im freien Raum schwebt, sondern den Kontakt zu Gemeinden und Pfarrern braucht. Denn die Leipziger Uni und unsere Arbeit als Theokreis hier richtet sich vor allem an die sächsische Landeskirche und dort wollen wir wirksam werden.
Wo würdet ihr sagen, gibt es im Theokreis noch Luft nach oben?
Ephraim: Hmm… Mein Eindruck ist, dass unsere theologischen Ansichten manchmal noch nicht so richtig mit geistlichem Leben gefüllt sind. Es geht eben nicht nur darum, dass wir uns über die Frage nach wahrer und falscher Theologie unterhalten, sondern dass das, was wir als richtig und wahr erkannt haben, vom Heiligen Geist wirklich erfüllt werden muss. Damit unser Theologisieren in einer tiefen Beziehung zum Herrn steht.
Es geht mir nicht darum, dass wir einfach noch mehr beten oder so, auch wenn das immer gut ist. Ganz schlicht denke ich, dass der Heilige Geist in das, was wir als theologisch richtig erkannt haben, mit seiner Kraft hineinbricht. Denn mir fällt immer wieder auf, dass doch einiges unserer theologischen Arbeit unter einer komischen Schwermut läuft. Ich finde das Theologisieren ja richtig. Aber ich frage mich, wie man das so ändern kann, dass das theologische Arbeiten wirklich Tiefe hat und trotzdem in der Freude beim Herrn landet.
Hast du das Gefühl, dass man versucht, das Theologische richtig zu vertreten, manchmal auch in der Diskrepanz zur Theologie an der Uni, und daran dann so leidet und das innerlich schwer wird?
Ephraim: Das stimmt natürlich, dass da eine gewisse Schwere da ist, die man manchmal gegenüber der Uni hat. Auf der anderen Seite ist das Grundproblem, dass Theologen einfach tendenziell Grübler sind und wir als Theokreis das in gewisser Weise fördern. Das ist ja auch nicht verkehrt. Aber manchmal bleibst du die ganze Zeit bei dir selbst und es fehlt dieser Schritt, dass wir mit unserem theologischen Arbeiten beim Herrn und in der Anbetung landen und ihn anschauen und dadurch geistlich Kraft bekommen. Wir dürfen uns nicht immer wieder um uns selbst drehen und nicht im geistlichen Kreisverkehr landen, sondern wir müssen immer weiterfahren.
Friedemann: Mir fallen dazu zwei Verse aus der Bibel ein. Nämlich aus 1. Korinther 10, wo Paulus schreibt: Wir reißen die Festungen der Gedanken ein und lassen uns unter den Gehorsam gegenüber Jesus Christus hineinstellen. Und das, was ich zumindest versuchen will, ist, dass sich alle meine Gedankengebäude oder Festungen, die sich in meinen Gedanken aufbauen, auch theologische Gedankengebäude, verändern müssen und Jesus gehorsam sind. Dass ich nicht nur meine Gedankengebäude aufbaue, sondern dass das alles immer auf das Ziel hin ausgerichtet ist, Jesus gehorsam zu sein und ihm nachzufolgen. Dieses Ziel dürfen wir nicht aus den Augen zu verlieren.
Und das Zweite ist, dass Jesus zu den Sadduzäern sagt, als sie ihn nach der Auferstehung fragen: „Ihr irrt, denn ihr kennt weder die Schrift, noch die Kraft Gottes“ (Anm. Mt 22,29). Das ist ja schon was sehr Positives, dass wir die Schrift kennenlernen und verstehen. Aber die Schrift ist nicht tot, sondern eben eine Kraft. Sie kann uns die Kraft geben, die Auferstehung bedeutet. Es reicht nicht, wenn wir theologische Richtigkeiten austauschen, es muss dahingehen, dass wir die Schrift verstehen, und das heißt auch die Kraft erleben, die dahintersteckt. Man kann eben auch in theologischen Richtigkeiten tot sein. Das ist das Problem.
Würdest du auch wie Ephraim sagen, dass wir darin manchmal geistlich zu tot sind?
Friedemann: Ich weiß nicht, wie ich das richtig sagen soll, aber ich denke, es ist allgemein so, dass wir in vielen Dingen die Kraft Gottes unterschätzen. Sicher ist es auch so, dass wir diese geistliche Kraft eben nicht aus uns selbst machen können. Selbst, wenn wir das beste Angebot hier im Theokreis hätten, das kann nur der Heilige Geist machen. Aber wir dürfen auch einfach darauf hoffen und vertrauen, dass Gott das macht. Das ist nicht unsere Aufgabe. Dass der Heilige Geist wirkt unter uns, das können wir nicht aus eigener Anstrengung machen. Aus dem Kreisverkehr zieh ich mich nicht selber raus, sondern da muss Gott sagen: „Hey, wach auf!“
Ephraim: Das stimmt auf jeden Fall. Das wäre zum Beispiel mal ein Anliegen fürs Gebet.
Euer Leitspruch also: Die Freude am Herrn ist unsere Stärke?
Beide: Ja, das trifft’s.
Wunderbar, da haben wir was. Vielen Dank!